Privatinsel bei Venedig: Die leise Lagune
Zur Zeit des Sonnenuntergangs überziehen sich die Lagune und der Himmel mit den Farben Claude Monets. Blau-, Veilchen und Blassrosatöne fließen ineinander, und wären da nicht die flachen Schatten der Inseln Murano und Torcello am Horizont, man hätte Mühe, Luft und Wasser voneinander zu unterscheiden. Es riecht nach Salz und Tang, und außer dem gelegentlichen Greinen der Möwen oder dem Geplätscher einer Ente herrscht Stille. Kaum glaublich, dass sich in normalen, das heißt Nicht-Corona-Zeiten, nur eine halbe Bootsstunde entfernt Touristenmassen durch die Gassen Venedigs schieben, auf Gondeln oder Vaporetti durch die Kanäle pflügen und in die Bars, Trattorien und Restaurants der Lagunenstadt einfallen, während Kreuzfahrtschiffe, groß wie Hochhäuser, zwischen Dogenpalast und San Giorgio Maggiore hindurchgleiten.
Hier, auf der Isola Santa Cristina in der nördlichen Lagune, ist Trubel nicht einmal zu erahnen. Aufruhr entsteht allenfalls, wenn man unter den Schlafbäumen der vier Dutzend wild lebenden Pfauen hindurchläuft und die schwerfälligen Vögel hysterisch kreischend aufflattern. Doch schnell tritt wieder Ruhe ein auf der 30 Hektar kleinen Privatinsel mit ihren Fischteichen, Obst-, Wein- und Gemüsegärten. Über Wiesenwege geht es an den Wasserbecken entlang, an einer verwitterten Kapelle aus rotem Backstein vorbei.
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Bald sind Lichter zwischen schattenschwarzen Palmen hindurch zu sehen, gedämpfte Stimmen zu hören. In der ebenerdigen Loggia der Villa Ammiana, einem renovierten Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, sitzen, nach Aufhebung der Pandemie-Sperre, nun wieder die Gäste vor dem offenen Kaminfeuer, trinken eisgekühlten Prosecco und lassen sich von René Deutsch und seiner Frau Sandra die Geschichte dieser Inseloase erzählen.
1985 kaufte Renés Stiefvater Gernot Langes-Swarovski, der damalige geschäftsführende Gesellschafter des Kristallglas-Unternehmens, Santa Cristina. Die Insel war heruntergekommen und vom Hochwasser bedroht, die Gebäude verfielen, die Fischteiche verschlammten. Doch der neue Eigentümer war entschlossen, Santa Cristina vor dem Versumpfen zu bewahren.
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